Was willst Du wirklich, wirklich tun? – Der Traum vom gelungenen Selbst

Chad Orzel, Professor für Physik am Union College im US-Bundesstaat New York, erklärt den Wissenschaftsprozess in seinem Buch „Das Heureka-Prinzip“ in einfachen Worten: BeobachteDenkeÜberprüfeBerichte.

Heute möchte ich hier meine Beobachtungen und Literaturempfehlungen teilen.

In meiner Bibliothek habe ich ein paar Bücher entdeckt die mir interessante Zusammenhänge aufzeigten:

Frithjof Bergmann’s „Center for New Work“ wurde im Buch „Katalog der Hoffnung. 51 Modelle für die Zukunft“, herausgegeben von Robert Jungk im Jahr 1990 unter dem Kapitel „Soziale Erfindungen“ als ermutigendes Beispiel einer radikalen gesellschaftlichen Neuerung mit einem Beitrag erwähnt.

Ich lese immer wieder gerne, als Inspiration, die Bücher von Helen und Scott Nearing. Dies sind u.a. „Ein gutes Leben leben“, „Die Suche nach dem guten Leben“ und „Fortführung des guten Lebens“.

Helen und Scott Nearing, waren amerikanische Selbstversorger und Akivisten in der USA, und wirtschafteten ab 1932 auf ihrer eigenen Farm zuerst in Vermont dann in Maine. Sie waren Vorbilder für diejenigen geworden, die Wege suchten nach einem selbstbestimmten Leben und Arbeiten. Ähnlich wie bei Bergmann war die Gesellschaft zur Zeit der Nearings geprägt von hoher Arbeitslosigkeit.

Auch Frithjof Bergmann wagte diesen Selbstversuch und lebte zwei Jahre als Selbstversorger in den Wäldern von New Hampshire.

Die Nearings lebten als Selbstversorger am Land und hatten einen „vier-vier-vier Grundsatz für ihr selbstbestimmtes Leben erarbeitet: „…Vier Stunden Broterwerb, vier Stunden professionelles Arbeit und vier Stunden, die der Verpflichtung und Verantwortung als Mitglieder der menschlichen Gesellschaft gewidmet sind sowie der Teilnahme an verschiedenen lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten.“ … (Nearing, Helen und Scott; Fortführung des guten Lebens, 1997).

Bergmann’s Ansatz überführt die Lohnarbeit in „New Work“ in drei Schritten:

  • 1/3 Erwerbsarbeit
  • 1/3 High-Tech-Self Providing (Selbstversorgung)
  • 1/3 Gewählte Arbeit: Die man wirklich, wirklich will (Berufung)

Bergmann und die Nearings suchten nach Lösungen wie die klassische Lohnarbeit (Erwerbsarbeit) reduziert und Selbstversorgung sowie Berufung (gewählte Arbeit) gefördert werden kann.

Der Ansatz des New Work Projects ist tatsächlich radikal und bringt gesellschaftliches Neuerungspotential ins System, mit der Einstiegsfrage: Was willst Du wirklich, wirklich tun? Das Konzept „Neue Arbeit“ von Bergmann, ist ein Freitheitskonzept und inkludiert eine fundierte Wirtschafts- und Gesellschaftskritik.

Nun ein Schwenk nach Österreich:

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Dr. Harry Merl, österreichischer Psychiater und Psychotherapeut, die Interventionsmethode „Das Gesundheitsbild“ entwickelt sowie die Wirkfaktoren eines gelingenden Seelenleben untersucht. Harry Merl hat dafür den Begriff „Traum vom gelungenen Selbst“ geprägt. Er definiert den „Traum des gelungenen Selbst“ so:

„…es ist das Bestreben, jedes Menschen von Beginn bis zum Ende seines Lebens … in allen Lebensfeldern in denen er sich bewegt und engagiert ist „ein Jemand zu sein und etwas zu können“ und in seiner Autonomie respektiert zu sein, und das sowohl in den eigenen Augen und als auch denen der anderen.“ (Merl, Harry; Über das Offensichtliche, 2006)

Das Gesundheitsbild ist ein strukturiertes Vorgehensmodell um Ziele zu erreichen.

Harry Merl definiert das Gesundheitsbild „als in der Seele festgeschriebene und abrufbare Vision jedes Menschen…“.

Harry Merl hatte diese Vision in seiner Arbeit mit psychiatrischen Patienten entdeckt und davon ausgehend ein Interventionsmodell entwickelt.

Beim „Gesundheitsbild“ stellte Harry Merl seinen Klienten folgende Frage: Angenommen Sie sind so richtig gesund und fühlen sich wohl, wie würden Sie dann ausschauen?

Mit dieser Frage veränderte sich schlagartig die Haltung. Die Betroffenen richteten Ihren Blick gerade aus und beschrieben wie Sie aussehen würden wenn sie ihren gewünschten Zielzustand erreicht haben. Die Veränderung war sichtbar. Sie richteten sich auf, atmeten tief ein, ihre Gesichtsfarbe wurde „gesünder“, sie zeigten manchmal einen sanften Pendelrhythmus und sie wurden „schöner“ d.h. sie gwannen an Ausstrahlung.

Frithjof Bergmann schildert in seinem Buch „Neue Arbeit – Neue Kultur“ ähnliches, wenn man Menschen fragt, was Sie wirklich, wirklich tun möchten: „… so führt das zu erstaunlichen körperlichen Veränderungen: Sie gehen anders, ihre ganze Haltung und ihr Gesichtsausdruck machen sie zu völlig neuen, anderen Menschen. ….“

Harry Merl’s Gesundheitsbild kann hier als Impuls für den Coaching-Prozess in der „New Work“-Arbeit dienen.

Die Interventionsmethode Gesundheitsbild folgt einem strukturierten Fragekatalog, hier nur grob in „Überschriften“ gegliedert:

  • Herstellung des wünschenswerter Zielzustands
  • Das Aufsuchen des wünschenswerten Zielzustands.
  • Fragen an die/den Gesunden / (im wünschenswerten Zielzustand)

Z.B.: Was kann ich als Gesunde(r) alles tun?

Was kann ich für mich tun?

  • Wege vergleichen und neue Wege finden
  • Die Festigung des Gesundheitsbildes / (des wünschenswerten Zielzustands)

Im Coaching-Prozess zu „New Work“ könnte man dann eine Interventionsvariante daraus ableiten.

Harry Merl und Frithjof Bergmann sind meines Erachtens – im Geiste Brüder! Beide sprechen durch die Visualisierung einer positiven Vision die Lebendigkeit des Menschen an und helfen beim Prozess „was man wirklich, wirklich will!“

Nun habe ich ein Band geflochten, möge es den Weg weisen und zum Austausch beitragen!

Buchempfehlungen

Literatur:

Bergmann, Frithjof; Neue Arbeit, Neue Kultur. Freiamt im Schwarzwald: Arbor Verlag, 2004

Jungk, Robert (Hrsg.); Katalog der Hoffnung. Frankfurt: Luchterhand, 1990

Merl, Harry; Das Gesundheitsbild. DVD. Wien: heugl solution press, 2015

Merl, Harry; Über das Offensichtliche. Wien: Krammer-Verlag, 2006

Nearing, Helen und Scott; Ein gutes Leben. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1984

Nearing, Helen und Scott; Fortführung des guten Lebens. Darmstadt: pala-Verlag, 1997

Nearing, Scott; Die Suche nach dem guten Leben. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986

Orzel, Chad; Das Heureka-Prinzip. Berlin: Springer, 2017

 

Harald Heugl, MSc MBA

heugl@utanet.at